Pflege darf nicht zur Überforderung werden
Unser Ziel
Pflegende Angehörige leisten einen unverzichtbaren Beitrag für die Stadtgesellschaft.
In Nürnberg wird der überwiegende Teil der Pflege zu Hause und von Angehörigen erbracht – oft unter hoher körperlicher, emotionaler und finanzieller Belastung.
Unser Ziel ist:
- Pflege menschenwürdig und leistbar zu organisieren
- Angehörige wirksam zu entlasten, bevor sie selbst krank werden
- Pflege als öffentliche Aufgabe ernst zu nehmen – nicht als private Notlösung
Situation in Deutschland
Rund 80 % der Pflegebedürftigen werden zu Hause versorgt, ein Großteil davon durch Angehörige.
Viele Pflegende sind:
- berufstätig
- psychisch und körperlich überlastet
- finanziell unter Druck
Entlastungsangebote wie Tagespflege oder Kurzzeitpflege sind:
- regional ungleich verteilt
- oft nicht ausreichend verfügbar
- für viele schwer zugänglich
Pflegestützpunkte existieren, sind aber häufig:
- personell unterbesetzt
- wenig bekannt
- nicht wohnortnah genug
Lage in Nürnberg
Hoher Pflegebedarf
Als Großstadt mit alternder Bevölkerung steigt auch in Nürnberg die Zahl pflegebedürftiger Menschen kontinuierlich.
Pflege findet überwiegend zu Hause statt
Angehörige tragen den größten Teil der Versorgung – oft zusätzlich zu Erwerbsarbeit und eigener Familie.
Entlastungsangebote reichen nicht aus
- Tagespflegeplätze sind begrenzt
- Kurzzeitpflege ist schwer zu finden, besonders kurzfristig
- Pflegestützpunkte sind nicht in allen Stadtteilen gleich gut erreichbar
Beratungsbedarf wächst
Viele Angehörige fühlen sich allein gelassen im Dickicht aus Pflegegrad, Anträgen, Leistungen und Zuständigkeiten.
Kernproblem
Pflegende Angehörige wollen helfen – stoßen aber auf Zeitmangel, Erschöpfung, fehlende Angebote und bürokratische Hürden.
Maßnahme 1:
Mehr Tagespflegeangebote schaffen
Ziele
- Regelmäßige Entlastung pflegender Angehöriger
- Soziale Teilhabe und Struktur für Pflegebedürftige
- Vereinbarkeit von Pflege, Beruf und Familie verbessern
Konkrete Umsetzung
- Ausbau wohnortnaher Tagespflegeeinrichtungen in allen Stadtteilen – gut erreichbar mit ÖPNV.
- Bedarfsgerechte Öffnungszeiten, auch für Berufstätige (z. B. frühe Öffnung, längere Betreuungstage).
- Verzahnung mit ambulanter Pflege:
Tagespflege als Teil eines stabilen Versorgungsnetzes. - Niedrigschwellige Information:
Angehörige müssen frühzeitig wissen, dass es diese Angebote gibt – und wie sie sie nutzen können.
Finanzierungsmöglichkeiten
- Landes- und Bundesmittel für Pflegeinfrastruktur
- Kommunale Zuschüsse für Aufbau und Betrieb
- Unterstützung gemeinnütziger Träger statt renditeorientierter Modelle
Vorteil
- Regelmäßige Entlastung statt Dauerüberforderung
- Pflegebedürftige bleiben länger zu Hause
- Weniger Krankheitsausfälle bei pflegenden Angehörigen
Maßnahme 2:
Kurzzeitpflegeplätze verlässlich ausbauen
Ziele
- Entlastung in Krisen- und Übergangssituationen
- Sicherheit bei Krankheit, Urlaub oder plötzlichem Ausfall von Angehörigen
- Vermeidung unnötiger Krankenhausaufenthalte
Konkrete Umsetzung
- Deutlicher Ausbau von Kurzzeitpflegeplätzen – auch städtisch bzw. kommunal gesichert.
- Feste Platzkontingente für Nürnberger Pflegebedürftige, um regionale Versorgung sicherzustellen.
- Kurzfristige Verfügbarkeit:
Kurzzeitpflege muss auch dann greifen, wenn Pflege plötzlich nicht mehr leistbar ist. - Bessere Koordination zwischen Krankenhäusern, Pflegeeinrichtungen und Beratung, damit Übergänge funktionieren.
Finanzierungsmöglichkeiten
- Kommunale Beteiligung an Betriebskosten
- Landesförderung gezielt für Kurzzeitpflege
- Langfristige Planung statt Notlösungen
Vorteil
- Angehörige bekommen echte Erholungsphasen
- Pflegebedürftige sind gut versorgt
- Akute Überlastungssituationen werden abgefedert
Maßnahme 3:
Kommunale Pflegestützpunkte ausbauen und stärken
Ziele
- Orientierung im Pflegesystem bieten
- Frühzeitige Unterstützung statt späte Krisen
- Gleicher Zugang zu Beratung für alle
Konkrete Umsetzung in Nürnberg
- Ausbau kommunaler Pflegestützpunkte in allen Stadtteilen – wohnortnah und barrierefrei.
- Ausreichende Personalausstattung, damit Beratung Zeit hat und nicht nur verwaltet.
- Beratung aus einer Hand:
- Pflegegrad
- Leistungen
- Entlastungsangebote
- Vereinbarkeit von Pflege und Beruf
- Aufsuchende Beratung für Menschen, die nicht selbst kommen können.
- Mehrsprachige Angebote, um alle Nürnberger Haushalte zu erreichen.
Finanzierungsmöglichkeiten
- Kommunale Pflege- und Sozialbudgets
- Kooperation mit Land und Pflegekassen
- Dauerhafte Regelfinanzierung statt Projektförderung
Vorteil
- Angehörige fühlen sich nicht allein gelassen
- Pflege wird planbarer und stabiler
- Entlastungsangebote werden früher und gezielter genutzt
Fazit
Pflegende Angehörige halten das Pflegesystem am Laufen – oft auf Kosten der eigenen Gesundheit.
Nürnberg muss ihnen den Rücken stärken:
- mit mehr Tagespflege,
- verlässlicher Kurzzeitpflege
- und starken, gut erreichbaren Pflegestützpunkten.
So wird Pflege menschlicher, gerechter und langfristig tragfähig – für Pflegebedürftige wie für ihre Angehörigen.