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Wohnungslosigkeit wirksam bekämpfen

Unser Ziel

Wir setzen uns für die nachhaltige und konsequente Bekämpfung von Wohnungslosigkeit in Nürnberg durch den flächendeckenden Ausbau von Housing-First-Programmen mit unbedingter Wohnraumvergabe, die Sicherstellung menschenwürdiger Notunterkünfte mit verbindlichen langfristigen Standards, das vollständige Verbot repressiver Vertreibungsmaßnahmen aus dem öffentlichen Raum sowie die feste Verankerung integrierter Sozialarbeit als zentralen Bestandteil kommunaler Strategien zur Prävention und Überwindung von Wohnungslosigkeit.

Situation in Deutschland

Wohnungslosigkeit hat sich in Deutschland zu einem wachsenden sozialen Problem entwickelt:

Laut der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe (2024) waren zuletzt über 530.000 Menschen in Deutschland wohnungslos – ein deutlicher Anstieg gegenüber früheren Jahren. Die Zahl umfasst Menschen ohne festen Wohnsitz in Unterkünften, Städten und auf der Straße.

Trotz hoher Zahlen steht Deutschland im Vergleich zu einigen europäischen Ländern verhältnismäßig gut da – aber der Trend ist eindeutig steigend, insbesondere in Ballungsräumen:

  • Steigende Mietkosten
  • Fachkräftemangel im sozialen Bereich
  • Geringe Verfügbarkeit von preisgedämpftem Wohnraum
    → all das verschärft die Lage.

Besonders deutlich wird die Problematik, wenn man sieht, dass Wohnungslosigkeit nicht nur Armut bedeutet, sondern auch äußerst negativ auf Gesundheit, Teilhabe und soziale Integration wirkt.

 

Situation in Nürnberg

Auch Nürnberg bildet hier keine Ausnahme:
Laut dem Wohnungsbericht der Stadt Nürnberg 2023 waren dort 2.458 Menschen wohnungslos, wovon etwa 190 Personen keinen festen Schlafplatz hatten (also tatsächlich auf der Straße oder in improvisierten Unterkünften lebten).

Wohnungslosigkeit ist folglich kein Randphänomen:

  • Betroffen sind junge Menschen, Familien, Alleinstehende, Senior*innen
  • Viele Betroffene sind mehrfach belastet (gesundheitlich, psychisch, sozial)

Der Bericht macht klar:
Die vorhandenen Hilfen reichen nicht aus, um die Ursachen anzugehen oder nachhaltig Wohnraum für alle zu sichern.

Maßnahme 1:
Housing-First-Programme ausbauen

Ziel dieser Maßnahme

Housing First verfolgt einen Grundsatz:
Zuerst eine Wohnung, dann Perspektiven schaffen. Nie mehr Bedingungen wie Abstinenz oder Behandlungszwänge vor einer Wohnungsvergabe.

Studien zeigen, dass Housing-First-Modelle:

  • zu stabilerem Wohnverhalten führen
  • Hilfestrukturen entlasten
  • langfristig kosteneffizienter sind als herkömmliche Konzepte (z. B. stationäre Unterbringung ohne Anschlusswohnung)

Konkrete Umsetzung

1. Ausbau des Wohnungsbestands für Housing First

  • Gezielt Wohnungen (sozial gebunden bzw. öffentlich finanziert) für dieses Modell reservieren

2. Sofortige Vergabe ohne Bedingung

  • Keine Vorbedingungen wie Therapie oder Abstinenznachweise

3. Intensive sozialpädagogische Betreuung

  • Wohnungserhaltende Unterstützung:
    Beratung, Alltagsbegleitung, Beschäftigungsperspektive

4. Schnittstellenarbeit mit Sozialamt, Arbeitsagentur, Gesundheitssystem

  • Integrierte Unterstützung statt fragmentierter Angebote

Finanzierungsmöglichkeiten

Finanzierung Housing First


Förderprogramme, die genutzt werden können:

  • Europäischer Sozialfonds (ESF+)
  • Landesprogramme zur Wohnungs- und Sozialraumförderung
  • Bundesprogramme für Teilhabe und Inklusion

Maßnahme 2:
Mehr Notunterkünfte mit menschenwürdigen Standards

Ziel dieser Maßnahme

Wohnungslose Menschen sollten nicht in improvisierten Unterkünften oder auf der Straße leben müssen.

Notunterkünfte müssen:

  • Ganzjährig geöffnet sein
  • Ausreichend Platz bieten
  • Sanitäranlagen, Rückzugsmöglichkeiten, Privatsphäre
  • Psychosoziale Begleitung anbieten
  • Niedrigschwellige Zugangsmöglichkeiten bieten

Konkrete Umsetzung

1. Ausbau bestehender Einrichtungen

  • Mehr Schlafplätze, bessere Ausstattung

2. Dezentrale Strukturen statt reine Massenunterkünfte

  • Kleine Einheiten in Stadtteilen

3. Gesundheits- und Beratungsangebote vor Ort

  • Kooperation mit Gesundheitssystem, Suchtberatung, Arbeitsmarktservices

4. Zielgruppeorientierte Angebote

  • Frauen*, LGBTIQ+, Menschen mit Haustieren, Familien

Finanzierungsmöglichkeiten

 

Beispiele geeigneter Fördermittel:

  • Bundesmittel für Soziale Infrastruktur
  • Landesförderung Bayern (z. B. Sozialraumförderung)
  • ESF+ Programme

Maßnahme 3:
Keine Vertreibung aus dem öffentlichen Raum

Ziel dieser Maßnahme

Wohnungslose Menschen dürfen nicht aus dem öffentlichen Raum verdrängt werden, ohne ihnen menschenwürdige Alternativen zu bieten.

Vertreibung verstößt gegen Grundsätze der Menschenwürde und führt zu:

  • sozialer Exklusion
  • gesundheitlicher Gefährdung
  • langfristiger sozialer Verfestigung von Problemen

Konkrete Umsetzung

1. Abkehr von repressiven Maßnahmen

  • Wegnahme von Schlafplätzen, Zwangsräumungen ohne Perspektive unterbinden

2. Schutzkonzepte im öffentlichen Raum

  • Konzepte statt Ordnungspolitik

3. Dialog statt Repression

  • Streetwork, Sozialarbeit vor Ort, Ansprechpersonen

Finanzierungsmöglichkeiten

Fazit