Unser Ziel
In Nürnberg soll jedes Kind einen verlässlichen Betreuungsplatz bekommen – unabhängig vom Einkommen der Eltern und passend zu deren Lebensrealität (Arbeitszeiten, Alleinerziehende, Schichtarbeit).
Dafür braucht es drei Dinge gleichzeitig:
- Genug Plätze (ohne Wartelisten-Druck)
- Gute Arbeitsbedingungen (damit Fachkräfte bleiben und neue kommen)
- Qualität durch kleinere Gruppen und bessere Betreuungsschlüssel
Kostenfreiheit ist dabei nicht „nice to have“, sondern ein Gerechtigkeitsthema: Bildung und Teilhabe dürfen nicht vom Geldbeutel abhängen.
Situation in Deutschland
- Platzmangel:
In Deutschland fehlen laut Berechnungen der Bertelsmann Stiftung rund 430.000 Kita-Plätze (besonders im Westen). - Personal & Qualität:
Zum Stichtag 1. März 2023 arbeiteten rund 702.200 pädagogisch tätige Personen in Kindertageseinrichtungen (deutlich mehr als 2013) – trotzdem bleibt die Qualitätsfrage (Personalschlüssel, Ausfall, Fluktuation) zentral. - Empfohlene Betreuungsschlüssel (Bertelsmann):
- Krippe (U3):
1 Fachkraft : 3 Kinder - Kindergarten (Ü3):
1 Fachkraft : 7,5 Kinder
Viele Regionen liegen darüber (schlechtere Schlüssel), was Stress, Ausfall und Qualitätsverlust verstärkt.
- Krippe (U3):
Lage in Nürnberg
Hohe Nachfrage
Für das Kita-Jahr 2024/2025 wurden in Nürnberg rund 14.200 Kinder für Krippe, Kindergarten, Hort oder Mittagsbetreuung angemeldet.
Betreute Kinder
- 0 bis unter 3 Jahre: 4.174 Kinder
- 3 bis unter 6 Jahre: 12.966 Kinder
- 6 bis unter 11 Jahre: 11.492 Kinder
- 11 bis unter 14 Jahre: 225 Kinder
Einrichtungen
Nürnberg weist u. a. 228 altersgemischte Einrichtungen (Kinder aller Altersgruppen) aus – plus weitere Einrichtungen nach Altersprofil.
Städtische Verantwortung & Kapazitäten
Die Stadt Nürnberg ist Träger von knapp 140 Kindertageseinrichtungen mit über 10.000 Plätzen (städtischer Bereich).
Gebühren/Entlastung (Status quo)
Der Freistaat Bayern bezuschusst Kindergartenbeiträge mit 100 € pro Kind und Monat (ab dem Kindergartenjahr, das im Jahr des 3. Geburtstags beginnt, bis zur Einschulung) – Nürnberg verweist darauf ausdrücklich.
Kernproblem in Nürnberg
Nachfrage und Bedarfe (Zeiten/Plätze/Standorte) treffen auf begrenzte Kapazitäten, Fachkräftedruck und Qualitätsrisiken – viele Eltern erleben das als „Platzsuche + Betreuungsausfälle + unpassende Öffnungszeiten“.
Maßnahme 1:
Mehr Kitaplätze – schnell, planvoll, stadtweit
Ziele
- Wartelisten und Engpässe abbauen (spürbar bei hoher Nachfrage, z. B. 14.200 Anmeldungen).
- Stadtweit bedarfsgerechte Verteilung: kurze Wege, Versorgung auch in wachsenden Quartieren
- Mehr Plätze insbesondere für U3 (Krippenbedarf) und Randzeiten
Konkrete Umsetzung
- Ausbau städtischer Einrichtungen:
Nürnberg trägt als Träger von knapp 140 Kitas mit >10.000 Plätzen bereits viel – dieses Netz gezielt erweitern (Neubau/Anbau/Umstrukturierung). - Beschleunigtes Ausbauprogramm:
Standardisierte Kita-Module (serielle Bauweise), schnellere Genehmigungswege, Priorisierung im Hochbau - Mehr altersgemischte Häuser:
Dort, wo es funktioniert (flexibler bei Belegung/Personal), gleichzeitig klare Qualitätsstandards - Bessere Nutzung bestehender Räume:
Umbau leerstehender Verwaltungs-/Gewerbeflächen, Kooperation mit Wohnungsbaugesellschaften (Kita im Neubau verpflichtend mitdenken) - Bedarfsplanung nach „echter Nutzung“:
nicht nur Plätze zählen, sondern Öffnungszeiten/Teilzeit/Vollzeit und Passung zu Arbeitszeiten erfassen (viele Familien brauchen >35 Wochenstunden Betreuung; bundesweit ist dieser Bedarf gestiegen – solche Trends müssen kommunal abgebildet werden).
Finanzierungsmöglichkeiten
- Investitionsmittel (Land/Bund) für Ausbau + kommunale Bauprogramme
- Kombination aus städtischen Mitteln und Förderkulissen (Bayern/Bund, je nach Programm)
- Sozial gerechte Priorisierung im Haushalt:
Kinderbetreuung als Infrastruktur wie ÖPNV/Wohnen behandeln
Vorteil
- Realer Abbau des Such- und Wartelistenstresses
- Kürzere Wege, weniger „Betreuungstourismus“ durch die Stadt
- Höhere Erwerbsbeteiligung (insb. von Müttern/Alleinerziehenden) und bessere Startchancen für Kinder
Maßnahme 2:
Bessere Bezahlung und Entlastung von Erzieher*innen – Nürnberg als attraktive Arbeitgeberin
Ziele
- Fachkräfte gewinnen und halten (ohne Personal ist jeder neue Platz „nur auf dem Papier“)
- Krankheitstage, Überstunden, Fluktuation senken
- Pädagogische Qualität sichern – statt dauernd „Notbetrieb
Konkrete Umsetzung
- Tariftreue + Zulagen dort, wo der Markt am härtesten ist (z. B. Fachkraftzulage, Springerzulage, Wohnkostenzuschuss/Jobticket)
- Springer- und Vertretungspools stadtweit:
Wenn Personal ausfällt, muss sofort ersetzt werden können – damit Einrichtungen nicht regelmäßig kürzen/schließen - Mehr Zeit für Leitung & Vor-/Nachbereitung (damit Leitung nicht „nebenbei“ passiert und Teams stabil geführt werden)
- Aufstieg & Qualifizierung: bezahlte Fortbildung, Praxisanleitung, berufsbegleitende Qualifikation – und Anerkennung ausländischer Abschlüsse pragmatisch begleiten
- Entlastung durch Zusatzkräfte (Hauswirtschaft, Verwaltung, Assistenz):
Pädagog*innen sollen pädagogisch arbeiten – nicht dauerhaft kompensieren
Finanzierungsmöglichkeiten
- Investitionsmittel (Land/Bund) für Ausbau + kommunale Bauprogramme
- Kombination aus städtischen Mitteln und Förderkulissen (Bayern/Bund, je nach Programm)
- Sozial gerechte Priorisierung im Haushalt: Kinderbetreuung als Infrastruktur wie ÖPNV/Wohnen behandeln
Finanzierungsmöglichkeiten
- Kommunale Personalfonds + Landesmittel (Betriebskostenförderung)
- Zielgerichteter Einsatz von Bundesmitteln über Qualitäts-/Teilhabegesetze (dort, wo Personal und Zeit tatsächlich ankommen)
- Wirtschaftlichkeit durch Stabilität: weniger Ausfall/Fluktuation spart mittelbar Kosten (Einarbeitung, Krankheitsketten, Rechtsansprüche/Notlösungen)
Vorteil
- Nürnberg wird konkurrenzfähiger gegenüber Umland/anderen Trägern
- Mehr Verlässlichkeit für Eltern (weniger Ausfälle)
- Qualität steigt, weil Teams wieder Zeit für Bildung, Bindung, Sprache, Integration haben
Maßnahme 3:
Kleinere Gruppen – Qualität messbar verbessern
Ziele
- Mehr Aufmerksamkeit pro Kind, bessere Sprach- und Entwicklungsförderung
- Weniger Stress, mehr Kinderschutz, bessere Inklusion
- Arbeitsbedingungen verbessern (kleinere Gruppen = weniger Überlastung)
Konkrete Umsetzung
- Stufenplan zu besseren Betreuungsschlüsseln – orientiert an wissenschaftlichen Empfehlungen:
- U3: 1:3, Ü3: 1:7,5 (Empfehlung)
- Gruppenobergrenzen + echte Personalreserve:
Gruppen nicht nur „formal“ verkleinern, sondern mit Vertretungsquote absichern - Qualität transparent machen:
jährlicher Qualitätsbericht (Personalschlüssel, Ausfalltage, Fluktuation, Fortbildung, Leitungsfreistellung) - Schrittweise Umsetzung nach Belastung:
zuerst Einrichtungen mit hoher Ausfallquote, sozialer Belastung im Umfeld, hohem Förderbedarf (Sprache/Integration)
Finanzierungsmöglichkeiten
- Qualitätsbudget pro Kind (kommunal + Landesanteil), zweckgebunden für Personal/Vertretung
- Bessere Mittelsteuerung:
nicht nur in Bau investieren, sondern laufende Qualität (Personal) dauerhaft finanzieren
Vorteil
- Spürbar bessere Betreuung im Alltag (weniger „Aufbewahrung“, mehr Bildung und Beziehung)
- Entlastung der Beschäftigten → stabilere Teams → verlässlichere Öffnungszeiten
- Gerade für Kinder aus belasteten Familien: bessere Startchancen